Ein Törn zu den Shetland Inseln

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Reiseberichte, Schottland

Törnbericht 15.07 – 29.07.2005

18.07.2005 – 09.00 Uhr
Nieselregen, Wind um 5 bis 6 aus Süd Süd Ost, zunehmend schlechte Sicht – nach 2 Tagen auf See stehen wir mit unserer Segelyacht Paulchens Bruder ungefähr 6 Seemeilen vor Lerwick unserem Ziel auf den Shetlands.

Vor 3 Tagen sind wir mit einem Flieger von Germanwings in Edinburgh angekommen und haben unser Schiff in der Port Edgar Marina unweit des Flughafens von der Vorcrew übernommen.

Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um 20° C sind wir am 16.07 morgens aus Port Edgar ausgelaufen. Nach nur 3 Kabellängen passieren wir die imposante Forth Road Bridge. Eine halbe Seemeile weiter fahren wir unter der nicht weniger eindrucksvollen Forth Rail Bridge her.

Segeln auf dem Firth of Forth, Blick zurück auf die Forth Rail Bridge

Segeln auf dem Firth of Forth, Blick zurück auf die Forth Rail Bridge

Bei westlichen Winden um 4 Beaufort verbringen wir im Firth of Forth einen wunderbaren Segeltag. Allerbeste Bedingungen um sich mit dem Schiff vertraut zu machen.

Inchcolm mit dem alten Augustinerkloster, wird auch das Iona des Osten genannt

Inchcolm mit dem alten Augustinerkloster, wird auch das Iona des Osten genannt

Leuchtfeuer Oxcar, gegenüber Inchcolm

Leuchtfeuer Oxcar, gegenüber Inchcolm

Wir beobachten Robben und sogar einige doch recht scheue Papageientaucher.

Abends nimmt der Wind deutlich zu und wir binden ein Reff ein. Unsere erste Nachtfahrt auf diesem Törn. Das Wetter verschlechtert sich zusehends. Der Himmel zieht sich immer mehr zu. So ist es uns nicht vergönnt nachts die Sterne zu beobachten.

Und nun bei der Ansteuerung der Shetlands nimmt die Sicht noch weiter ab. Laut Hafenhandbuch und Seekarte ist die Ansteuerung von Lerwick einfach. Lerwick liegt auf Mainland. Vorgelagert befindet sich die Insel Bressay mit der nach ihr benannten Meerenge.

2005-020-Kirkabister-Ness-Lighthouse

Kirkabister Ness Lighthouse, seit dem
12.09.2012 nicht mehr im Betrieb

Hinein geht es in den Bressay Sound, wir bergen die Segel und nach kurzer Fahrt liegt auf unserer Backbord Seite Lerwick. Nach Anmeldung über UKW erhalten wir die Erlaubnis in den Small Boat Harbour einzulaufen. Wir machen längsseits an der norwegischen Hochseeyacht Noomi fest. Nach fast genau zwei Tagen auf See und 289 zurückgelegten Seemeilen sind wir sehr zufrieden ohne Zwischenfälle wohlbehalten angekommen zu sein.

026-PaulchensBruderNach einem ersten Willkommenstrunk erkunden wir bei Regen die Stadt Lerwick. Mit 1150 Einwohnern ist sie die Hauptstadt der Shetlands, zu denen noch ungefähr 100 Inseln gehören, wovon nur 15 besiedelt sind. Neben den insgesamt 22.000 Einwohnern tummeln sich 337.000 Schafe auf den Shetlands. Bei unserem Rundgang stoßen wir im Hafen auf das Reisebüro John Leask & Son. Dort mieten wir für den nächsten Tag einen Mietwagen. Das ganze erfolgt ausgesprochen freundlich und erfreulich unbürokratisch.

19.07.2005 – Hafentag
030-PuffinKurz nach 09.00 Uhr nehmen wir unseren Mietwagen in Empfang. Das Fahrzeug nutzen wir gleich um in Reservekanistern für Paulchens Bruder Diesel zu holen. Danach geht es auf in Richtung Süden von Mainland. Die Sonne scheint sogar. Nach den letzten Tagen richtig angenehm. Zuallererst wollen wir uns die Papageientaucher anschauen. Laut Tourist Information lassen sich zahlreiche Vögel am Sumburgh Head an der Südspitze von Mainland beobachten. Wir sehen zigtausende.

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Leuchtfeuer Sumburgh Head

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Nebelhorn Sumburgh Head

Viele Fotos später geht es weiter nach Jarlshof, einen Siedlungsplatz, der von den Anfängen der Besiedlung der Shetlands bis zur Gegenwart genutzt wurde. Vieles wurde in mühevoller Kleinarbeit restauriert und kann heute besichtigt werden. Der Museumswärter meint scherzhaft zu uns: „Sonnenstrahlen sind dieses Jahr so kostbar wie Goldstaub.“ Dieses Jahr ist nach seinen Informationen der Sommer in nördlicher Richtung nicht über Aberdeen hinausgekommen. Heute haben wir zumindest Glück mit dem Wetter.

040-GoodShepherdIV

Good Shepherd IV

Noch haben wir keinen einzigen Regentropfen abbekommen und häufig zeigt sich die Sonne.

So, nun noch schnell einen Abstecher nach Grutness Voe, Ausgangspunkt der Personenfähre „Good Shepherd IV“ zur Fair Isle. Wir haben Glück, die Fähre liegt längsseits an der Pier und wird gerade mit Lebensmitteln und Gepäck beladen. Einige wenige Touristen stehen vor einem containerähnlichen Gebäude, dem „Passenger Waiting Room“.

046-St.NiniansIsleAuf dem Rückweg nach Lerwick biegen wir nach Westen Richtung St. Ninian’s Isle ab. Diese Insel ist mittels eines Sandstrands fest mit Mainland verbunden und landschaftlich besonders eindrucksvoll.

048-Westcoast

Steilküste Eshaness

Mittags verarbeiten wir in Lerwick die vielen Eindrücke bei Fish & Chips. Nachmittags zieht es uns nun gen Norden. Über Voe fahren wir Richtung Eshaness. Immer wieder machen wir halt für Foto Sessions. Ganz besonders eindrucksvoll ist die Westküste. Bereits jetzt bei schwachen Winden ist die Brandung beeindruckend. Es ist leicht vorzustellen was sich hier bei starken westlichen Winden abspielen kann.

049-Lighthouse-Eshaness

Leuchtfeuer Eshaness

20.07.2005 
Bereits um 05.45 Uhr verlassen wir das gastfreundliche Lerwick. Weiter geht es Richtung Fair Isle. Wir wollen in Fair Isle übernachten um dann weiter zu den Orkneys zu segeln.
Bei NW 5 Beaufort geht es zügig gen Süden. Gegen 12.30 Uhr stehen wir 3 Seelmeilen östlich der Insel Fair Isle. Die Sicht wird dramatisch schlechter und so beschließen wir notgedrungen die Ansteuerung von Fair Isle abzubrechen. Nicht umsonst wird die Gegend um Fair Isle als „The Hole“, das Loch bezeichnet. Regelmäßig ist hier mit schlechter Sicht und teilweise sehr rauer See zu rechnen. Der Wetterbericht prognostiziert Nördliche Winde um 7 bis 8 Beaufort für die nächsten 2 Tagen. Somit können wir die Schottische Nordküste sowie die Orkneys ebenfalls aus unserem Reiseplan streichen. Der nächste sichere Hafen, der sich bei allen Seegangsverhältnissen ansteuern lässt ist Peterhead ca. 120 Seemeilen südlich von unserer aktuellen Position. Wir stecken den Kurs ab und kochen uns erstmal etwas zu Essen. Aufgrund der anstehenden Nachtfahrt bei Starkwind müssen wir mit unseren Kräften haushalten. Die Wachen werden eingeteilt. Wer Freiwache hat legt sich hin und versucht zu schlafen.

Abends nimmt der Wind weiter zu, ab 03.00 Uhr haben wir kontinuierlich 7 Windstärken, gegen 04.00 Uhr dann sogar 8. Paulchens Bruder meistert die sicherlich 3 Meter hohen Wellen bravourös. Im Groß haben wir das 2. Reff und die Fock haben wir auf Handtuchgröße gerefft. Die Loge zeigt teilweise knapp 10 Knoten an. Bei achterlichen Winden sausen wir nur so auf unser Ziel zu.

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Hafenanlage Peterhead und Marina

Mittlerweile befinden wir uns in der Nähe von Peterhead. Auch hier ist wieder das Anmelden über Funk angesagt. Der Mitarbeiter von Peterhead Port Control ist ausgesprochen hilfsbereit und gibt uns ausführliche Hinweise wie wir die Marina im Hafengelände finden. Er gibt uns die Anweisung 2 Fischtrawlern Richtung Hafeneinfahrt zu folgen. Leichter gesagt als getan. Bei dem Seegang verlieren wir die beiden schnell aus den Augen. Kurze Zeit später zeigt sich ein Trawler noch einmal und signalisiert uns somit die Hafeneinfahrt. Jetzt heißt es nur noch quer durch die Peterhead Bay und dann kurz vor dem Strand nach Backbord in die Marina abbiegen. Um 05.15 Uhr machen wir erschöpft aber glücklich in der Marina nach 160 Seemeilen fest.

 

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Old Smoke House – fangfrischer Fisch

21.07.2005
Nachdem wir uns einige Stunden von der anstrengenden Überfahrt ausgeruht haben, geht es auf nach Peterhead City. Eine freundliche schottische Hafenstadt mit ausgezeichneten Versorgungsmöglichkeiten erwartet uns. Im Hafen bekommen wir bei „The Old Smoke House“ ausgezeichneten Fisch zu moderaten Preisen. Im nicht allzu weit entfernten Supermarkt Morrisions mit ausgezeichnetem Sortiment gelingt es uns die Bordvorräte sinnvoll zu ergänzen. Noch immer bläst ein stürmischer Wind aus Nord.

22.07.2005
058-NordseeBBC 4 verkündet NNW 6 bis 7, später abnehmend auf 5 bis 6. Also wieder Rauschefahrt gen Süden. Vorsorglich bleibt das 2 Reff im Groß. Wir melden uns vorschriftsmäßig bei Peterhead Port Control und erhalten die Erlaubnis auszulaufen. Direkt nach dem Passieren der Marinaausfahrt setzen wir bereits die Segel und verlassen dann erst die schützende Hafenanlage. Aktuell bläst es immer noch mit mehr als 30 Knoten aus nördlichen Richtungen. Kurz nach Verlassen des Hafens zeigt sich zum Abschied noch eine Robbe.

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Begegnung auf der Nordsee

060-Sunderland

Sunderland

Ziel ist für uns das ungefähr 180 südlich gelegene Sunderland. Im Laufe des Tages lässt der Wind etwas nach. Die See beruhigt sich und wir genießen schnelles Segeln vor dem Wind. Am späten Nachmittag haben wir nur noch moderate 3 Windstärken. Kurzerhand schlagen wir die Arbeitsfock ab und setzen die Genua. Kurze Zeit später sind wir sogar gezwungen eine Weile den Diesel mitlaufen zu lassen. Dann frischt der Wind zum Glück aus nord-östlichen Richtungen auf.

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Sunderland Marina

Nach einer erneuten Nachtfahrt machen wir am 23.07 um 14.30 Uhr am Meldesteiger in der Sunderland Marina fest. Wir nutzen den Nachmittag für einen kleinen Bummel durch Sunderland.

24.07.2005
Jetzt steht unser letzter langer Schlag dieses Segeltörns an – wir wollen von Sunderland nach Texel gut 250 Seemeilen quer über die offene Nordsee. Der Wetterbericht geht derzeit weiter von nord-östlichen Winden aus. Bei unserem geplanten Kurs von 120° werden wir deutlich südlich der Dogger Bank bleiben und somit kritische Wassertiefen vermeiden.
Bei schwachen nördlichen Winden verlassen wir die Marina Sunderland. Immer wieder müssen wir unseren Diesel um Unterstützung bitten, da der Wind nicht ausreicht. Erst abends frischt der Wind auf. Endlich geht es auch unter Segeln wieder zügig voran. Während der Nacht dreht der Wind auf Nord-Ost und nimmt weiter zu. Mittags haben wir 5 bis 6 Windstärken und reffen die Genua, wenig später das Groß ebenfalls.

064-BohrinselAuf unserem Weg Richtung Holland passieren wir zahlreiche Ölplattformen. Besonders Nachts sind diese riesigen Ungetüme eindrucksvoll anzuschauen. Mittlerweile stehen wir am Abend des 25.07.2005 ca. 30 Seemeilen vor Texel und gönnen uns erst einmal eine kleine Pause in dem wir Paulchens Bruder beiliegen lassen. Schnell ist ein warmes Gericht gezaubert und jeder stärkt sich in Ruhe vor dem zweiten Nachtschlag. In den nun folgenden Stunden queren wir insgesamt 3 Verkehrstrennungsgebiete, zuerst Bottney Ground gefolgt von Westfriesland und kurz vor den holländischen Inseln das VTG Texel. Gerade vor Texel stellen wir ein sehr hohes Aufkommen von Berufsschiffen fest. Dank guter Sicht und sorgfältigem Ausguck meistern wir auch diese Herausforderung ganz entspannt.

Das gut befeuerte Fahrtwasser entlang von Texel erleichtert uns die Ansteuerung. Um 04.45 Uhr machen wir nach fast 260 Seemeilen über die Nordsee in Oudeschild auf Texel fest. Nun sind wir wieder in den Heimatgewässern von Paulchens Bruder. Wir haben nun nach immerhin fast 900 Seemeilen unser großes Ziel Edinburgh – Shetlands – Holland erreicht. Nach einem Anleger legt sich jeder erst einmal für einige Stunden hin.

26.07.2005
Wir verbringen einen erholsamen Tag in Oudeschild und genießen vor allem den frischen Fisch.

27.07.2005
Weiter geht es Richtung Ijsselmeer. Durch die Waddenzee segeln wir nach Kornwerderzand. Der Flutstrom schiebt mit und so machen wir nach zahlreichen Kreuzschlägen schon um 13.00 Uhr in der Schleuse Kornwerderzand fest. Nur 10 Minuten später sind wir wieder Binnenschiffer und segeln ganz entspannt bei Nieselregen und 3 Beaufort über das Ijsselmeer Richtung Enkhuizen.
In den folgenden Tagen erholen wir uns in kurzen Tagesetappen von unserem Nordseetörn und erkunden Ijssel- und Markermeer. Am 29.07 heißt es dann wieder zurück nach Lelystad in den Heimathafen von Paulchens Bruder. Nach 1022 Seemeilen, vielen neuen Eindrücken, einem unvergesslichen Törn legen wir „unser Schiff“ wieder wohlbehalten in seine Box.

Revierinformationen

Port Edgar Marina, South Queensferryhttp://www.portedgarmarina.co.uk/

In Port Edgar haben wir unsere Segelyacht, eine Bavaria 38 Holiday, von der Vorcrew übernommen.
Der Ort South Queensferry liegt am Südufer des Firth of Forth. Die Marina ist bestens ausgestattet. Im nahegelegenen Supermarkt bieten sich ausreichende Möglichkeiten das Schiff mit Proviant auszustatten.

Port Edgar ist nur wenige Kilometer von Edinburgh Airport entfernt und bietet sich somit aufgrund seiner Lage für einen Crewwechsel geradezu an.

Die Marina liegt ca. 2 Kabellängen westlich der Brücken Forth Road Bridge und Forth Rail Bridge eine Eisenbahnbrücke, welche bereits 1890 eröffnet wurde.

2005-102-ForthBridge

Forth Bridge über den Firth of Forth, Eisenbahnbrücke

 

Sea Kist - Antiquitäten und Kurioses

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