Ein Törn zu den Shetland Inseln

Törnbericht 15.07 – 29.07.2005

18.07.2005 – 09.00 Uhr
Nieselregen, Wind um 5 bis 6 aus Süd Süd Ost, zunehmend schlechte Sicht – nach 2 Tagen auf See stehen wir mit unserer Segelyacht Paulchens Bruder ungefähr 6 Seemeilen vor Lerwick unserem Ziel auf den Shetlands.

Vor 3 Tagen sind wir mit einem Flieger von Germanwings in Edinburgh angekommen und haben unser Schiff in der Port Edgar Marina unweit des Flughafens von der Vorcrew übernommen.

Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um 20° C sind wir am 16.07 morgens aus Port Edgar ausgelaufen. Nach nur 3 Kabellängen passieren wir die imposante Forth Road Bridge. Eine halbe Seemeile weiter fahren wir unter der nicht weniger eindrucksvollen Forth Rail Bridge her.

Segeln auf dem Firth of Forth, Blick zurück auf die Forth Rail Bridge

Segeln auf dem Firth of Forth, Blick zurück auf die Forth Rail Bridge

Bei westlichen Winden um 4 Beaufort verbringen wir im Firth of Forth einen wunderbaren Segeltag. Allerbeste Bedingungen um sich mit dem Schiff vertraut zu machen.

Inchcolm mit dem alten Augustinerkloster, wird auch das Iona des Osten genannt

Inchcolm mit dem alten Augustinerkloster, wird auch das Iona des Osten genannt

Leuchtfeuer Oxcar, gegenüber Inchcolm

Leuchtfeuer Oxcar, gegenüber Inchcolm

Wir beobachten Robben und sogar einige doch recht scheue Papageientaucher.

Abends nimmt der Wind deutlich zu und wir binden ein Reff ein. Unsere erste Nachtfahrt auf diesem Törn. Das Wetter verschlechtert sich zusehends. Der Himmel zieht sich immer mehr zu. So ist es uns nicht vergönnt nachts die Sterne zu beobachten.

Und nun bei der Ansteuerung der Shetlands nimmt die Sicht noch weiter ab. Laut Hafenhandbuch und Seekarte ist die Ansteuerung von Lerwick einfach. Lerwick liegt auf Mainland. Vorgelagert befindet sich die Insel Bressay mit der nach ihr benannten Meerenge.

2005-020-Kirkabister-Ness-Lighthouse

Kirkabister Ness Lighthouse, seit dem
12.09.2012 nicht mehr im Betrieb

Hinein geht es in den Bressay Sound, wir bergen die Segel und nach kurzer Fahrt liegt auf unserer Backbord Seite Lerwick. Nach Anmeldung über UKW erhalten wir die Erlaubnis in den Small Boat Harbour einzulaufen. Wir machen längsseits an der norwegischen Hochseeyacht Noomi fest. Nach fast genau zwei Tagen auf See und 289 zurückgelegten Seemeilen sind wir sehr zufrieden ohne Zwischenfälle wohlbehalten angekommen zu sein.

026-PaulchensBruderNach einem ersten Willkommenstrunk erkunden wir bei Regen die Stadt Lerwick. Mit 1150 Einwohnern ist sie die Hauptstadt der Shetlands, zu denen noch ungefähr 100 Inseln gehören, wovon nur 15 besiedelt sind. Neben den insgesamt 22.000 Einwohnern tummeln sich 337.000 Schafe auf den Shetlands. Bei unserem Rundgang stoßen wir im Hafen auf das Reisebüro John Leask & Son. Dort mieten wir für den nächsten Tag einen Mietwagen. Das ganze erfolgt ausgesprochen freundlich und erfreulich unbürokratisch.

19.07.2005 – Hafentag
030-PuffinKurz nach 09.00 Uhr nehmen wir unseren Mietwagen in Empfang. Das Fahrzeug nutzen wir gleich um in Reservekanistern für Paulchens Bruder Diesel zu holen. Danach geht es auf in Richtung Süden von Mainland. Die Sonne scheint sogar. Nach den letzten Tagen richtig angenehm. Zuallererst wollen wir uns die Papageientaucher anschauen. Laut Tourist Information lassen sich zahlreiche Vögel am Sumburgh Head an der Südspitze von Mainland beobachten. Wir sehen zigtausende.

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Leuchtfeuer Sumburgh Head

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Nebelhorn Sumburgh Head

Viele Fotos später geht es weiter nach Jarlshof, einen Siedlungsplatz, der von den Anfängen der Besiedlung der Shetlands bis zur Gegenwart genutzt wurde. Vieles wurde in mühevoller Kleinarbeit restauriert und kann heute besichtigt werden. Der Museumswärter meint scherzhaft zu uns: „Sonnenstrahlen sind dieses Jahr so kostbar wie Goldstaub.“ Dieses Jahr ist nach seinen Informationen der Sommer in nördlicher Richtung nicht über Aberdeen hinausgekommen. Heute haben wir zumindest Glück mit dem Wetter.

040-GoodShepherdIV

Good Shepherd IV

Noch haben wir keinen einzigen Regentropfen abbekommen und häufig zeigt sich die Sonne.

So, nun noch schnell einen Abstecher nach Grutness Voe, Ausgangspunkt der Personenfähre „Good Shepherd IV“ zur Fair Isle. Wir haben Glück, die Fähre liegt längsseits an der Pier und wird gerade mit Lebensmitteln und Gepäck beladen. Einige wenige Touristen stehen vor einem containerähnlichen Gebäude, dem „Passenger Waiting Room“.

046-St.NiniansIsleAuf dem Rückweg nach Lerwick biegen wir nach Westen Richtung St. Ninian’s Isle ab. Diese Insel ist mittels eines Sandstrands fest mit Mainland verbunden und landschaftlich besonders eindrucksvoll.

048-Westcoast

Steilküste Eshaness

Mittags verarbeiten wir in Lerwick die vielen Eindrücke bei Fish & Chips. Nachmittags zieht es uns nun gen Norden. Über Voe fahren wir Richtung Eshaness. Immer wieder machen wir halt für Foto Sessions. Ganz besonders eindrucksvoll ist die Westküste. Bereits jetzt bei schwachen Winden ist die Brandung beeindruckend. Es ist leicht vorzustellen was sich hier bei starken westlichen Winden abspielen kann.

049-Lighthouse-Eshaness

Leuchtfeuer Eshaness

20.07.2005 
Bereits um 05.45 Uhr verlassen wir das gastfreundliche Lerwick. Weiter geht es Richtung Fair Isle. Wir wollen in Fair Isle übernachten um dann weiter zu den Orkneys zu segeln.
Bei NW 5 Beaufort geht es zügig gen Süden. Gegen 12.30 Uhr stehen wir 3 Seelmeilen östlich der Insel Fair Isle. Die Sicht wird dramatisch schlechter und so beschließen wir notgedrungen die Ansteuerung von Fair Isle abzubrechen. Nicht umsonst wird die Gegend um Fair Isle als „The Hole“, das Loch bezeichnet. Regelmäßig ist hier mit schlechter Sicht und teilweise sehr rauer See zu rechnen. Der Wetterbericht prognostiziert Nördliche Winde um 7 bis 8 Beaufort für die nächsten 2 Tagen. Somit können wir die Schottische Nordküste sowie die Orkneys ebenfalls aus unserem Reiseplan streichen. Der nächste sichere Hafen, der sich bei allen Seegangsverhältnissen ansteuern lässt ist Peterhead ca. 120 Seemeilen südlich von unserer aktuellen Position. Wir stecken den Kurs ab und kochen uns erstmal etwas zu Essen. Aufgrund der anstehenden Nachtfahrt bei Starkwind müssen wir mit unseren Kräften haushalten. Die Wachen werden eingeteilt. Wer Freiwache hat legt sich hin und versucht zu schlafen.

Abends nimmt der Wind weiter zu, ab 03.00 Uhr haben wir kontinuierlich 7 Windstärken, gegen 04.00 Uhr dann sogar 8. Paulchens Bruder meistert die sicherlich 3 Meter hohen Wellen bravourös. Im Groß haben wir das 2. Reff und die Fock haben wir auf Handtuchgröße gerefft. Die Loge zeigt teilweise knapp 10 Knoten an. Bei achterlichen Winden sausen wir nur so auf unser Ziel zu.

052-Peterhead

Hafenanlage Peterhead und Marina

Mittlerweile befinden wir uns in der Nähe von Peterhead. Auch hier ist wieder das Anmelden über Funk angesagt. Der Mitarbeiter von Peterhead Port Control ist ausgesprochen hilfsbereit und gibt uns ausführliche Hinweise wie wir die Marina im Hafengelände finden. Er gibt uns die Anweisung 2 Fischtrawlern Richtung Hafeneinfahrt zu folgen. Leichter gesagt als getan. Bei dem Seegang verlieren wir die beiden schnell aus den Augen. Kurze Zeit später zeigt sich ein Trawler noch einmal und signalisiert uns somit die Hafeneinfahrt. Jetzt heißt es nur noch quer durch die Peterhead Bay und dann kurz vor dem Strand nach Backbord in die Marina abbiegen. Um 05.15 Uhr machen wir erschöpft aber glücklich in der Marina nach 160 Seemeilen fest.

 

054-OldSmokeHouse

Old Smoke House – fangfrischer Fisch

21.07.2005
Nachdem wir uns einige Stunden von der anstrengenden Überfahrt ausgeruht haben, geht es auf nach Peterhead City. Eine freundliche schottische Hafenstadt mit ausgezeichneten Versorgungsmöglichkeiten erwartet uns. Im Hafen bekommen wir bei „The Old Smoke House“ ausgezeichneten Fisch zu moderaten Preisen. Im nicht allzu weit entfernten Supermarkt Morrisions mit ausgezeichnetem Sortiment gelingt es uns die Bordvorräte sinnvoll zu ergänzen. Noch immer bläst ein stürmischer Wind aus Nord.

22.07.2005
058-NordseeBBC 4 verkündet NNW 6 bis 7, später abnehmend auf 5 bis 6. Also wieder Rauschefahrt gen Süden. Vorsorglich bleibt das 2 Reff im Groß. Wir melden uns vorschriftsmäßig bei Peterhead Port Control und erhalten die Erlaubnis auszulaufen. Direkt nach dem Passieren der Marinaausfahrt setzen wir bereits die Segel und verlassen dann erst die schützende Hafenanlage. Aktuell bläst es immer noch mit mehr als 30 Knoten aus nördlichen Richtungen. Kurz nach Verlassen des Hafens zeigt sich zum Abschied noch eine Robbe.

056-Frachter

Begegnung auf der Nordsee

060-Sunderland

Sunderland

Ziel ist für uns das ungefähr 180 südlich gelegene Sunderland. Im Laufe des Tages lässt der Wind etwas nach. Die See beruhigt sich und wir genießen schnelles Segeln vor dem Wind. Am späten Nachmittag haben wir nur noch moderate 3 Windstärken. Kurzerhand schlagen wir die Arbeitsfock ab und setzen die Genua. Kurze Zeit später sind wir sogar gezwungen eine Weile den Diesel mitlaufen zu lassen. Dann frischt der Wind zum Glück aus nord-östlichen Richtungen auf.

062-Sunderland-Marina

Sunderland Marina

Nach einer erneuten Nachtfahrt machen wir am 23.07 um 14.30 Uhr am Meldesteiger in der Sunderland Marina fest. Wir nutzen den Nachmittag für einen kleinen Bummel durch Sunderland.

24.07.2005
Jetzt steht unser letzter langer Schlag dieses Segeltörns an – wir wollen von Sunderland nach Texel gut 250 Seemeilen quer über die offene Nordsee. Der Wetterbericht geht derzeit weiter von nord-östlichen Winden aus. Bei unserem geplanten Kurs von 120° werden wir deutlich südlich der Dogger Bank bleiben und somit kritische Wassertiefen vermeiden.
Bei schwachen nördlichen Winden verlassen wir die Marina Sunderland. Immer wieder müssen wir unseren Diesel um Unterstützung bitten, da der Wind nicht ausreicht. Erst abends frischt der Wind auf. Endlich geht es auch unter Segeln wieder zügig voran. Während der Nacht dreht der Wind auf Nord-Ost und nimmt weiter zu. Mittags haben wir 5 bis 6 Windstärken und reffen die Genua, wenig später das Groß ebenfalls.

064-BohrinselAuf unserem Weg Richtung Holland passieren wir zahlreiche Ölplattformen. Besonders Nachts sind diese riesigen Ungetüme eindrucksvoll anzuschauen. Mittlerweile stehen wir am Abend des 25.07.2005 ca. 30 Seemeilen vor Texel und gönnen uns erst einmal eine kleine Pause in dem wir Paulchens Bruder beiliegen lassen. Schnell ist ein warmes Gericht gezaubert und jeder stärkt sich in Ruhe vor dem zweiten Nachtschlag. In den nun folgenden Stunden queren wir insgesamt 3 Verkehrstrennungsgebiete, zuerst Bottney Ground gefolgt von Westfriesland und kurz vor den holländischen Inseln das VTG Texel. Gerade vor Texel stellen wir ein sehr hohes Aufkommen von Berufsschiffen fest. Dank guter Sicht und sorgfältigem Ausguck meistern wir auch diese Herausforderung ganz entspannt.

Das gut befeuerte Fahrtwasser entlang von Texel erleichtert uns die Ansteuerung. Um 04.45 Uhr machen wir nach fast 260 Seemeilen über die Nordsee in Oudeschild auf Texel fest. Nun sind wir wieder in den Heimatgewässern von Paulchens Bruder. Wir haben nun nach immerhin fast 900 Seemeilen unser großes Ziel Edinburgh – Shetlands – Holland erreicht. Nach einem Anleger legt sich jeder erst einmal für einige Stunden hin.

26.07.2005
Wir verbringen einen erholsamen Tag in Oudeschild und genießen vor allem den frischen Fisch.

27.07.2005
Weiter geht es Richtung Ijsselmeer. Durch die Waddenzee segeln wir nach Kornwerderzand. Der Flutstrom schiebt mit und so machen wir nach zahlreichen Kreuzschlägen schon um 13.00 Uhr in der Schleuse Kornwerderzand fest. Nur 10 Minuten später sind wir wieder Binnenschiffer und segeln ganz entspannt bei Nieselregen und 3 Beaufort über das Ijsselmeer Richtung Enkhuizen.
In den folgenden Tagen erholen wir uns in kurzen Tagesetappen von unserem Nordseetörn und erkunden Ijssel- und Markermeer. Am 29.07 heißt es dann wieder zurück nach Lelystad in den Heimathafen von Paulchens Bruder. Nach 1022 Seemeilen, vielen neuen Eindrücken, einem unvergesslichen Törn legen wir „unser Schiff“ wieder wohlbehalten in seine Box.

Revierinformationen

Port Edgar Marina, South Queensferryhttp://www.portedgarmarina.co.uk/

In Port Edgar haben wir unsere Segelyacht, eine Bavaria 38 Holiday, von der Vorcrew übernommen.
Der Ort South Queensferry liegt am Südufer des Firth of Forth. Die Marina ist bestens ausgestattet. Im nahegelegenen Supermarkt bieten sich ausreichende Möglichkeiten das Schiff mit Proviant auszustatten.

Port Edgar ist nur wenige Kilometer von Edinburgh Airport entfernt und bietet sich somit aufgrund seiner Lage für einen Crewwechsel geradezu an.

Die Marina liegt ca. 2 Kabellängen westlich der Brücken Forth Road Bridge und Forth Rail Bridge eine Eisenbahnbrücke, welche bereits 1890 eröffnet wurde.

2005-102-ForthBridge

Forth Bridge über den Firth of Forth, Eisenbahnbrücke

 

Sea Kist - Antiquitäten und Kurioses

Sea Kist – Antiquitäten und Kurioses

 

 




Über Irland zur Isle of Whight – Sommer 2000

 

„Du wolltest doch schon immer mal zur Isle of Wight segeln?“ werde ich beim SKU Martinsgansessen 1999 von einem Clubmitglied gefragt. „Ja, richtig, zweimal hat es wegen Sturm aus West nicht geklappt“ lautet meine Antwort.

„Nächstes Jahr klappt es garantiert, ich brauche eine Crew die meine Yacht von Irland bis nach Lelystad segelt. Ihr kommt dann dort quasi automatisch vorbei.“

Schnell sind wir uns einig und flott sind drei Crewmitglieder gefunden.

Freitag, 30.06.2000

Mit Aer Lingus geht es von Düsseldorf nach Irland. Den Transfer vom Flughafen Kerry nach Dingle haben wir bei Moran’s Minibus gebucht. Richtig flott geht es über Landstraßen nach Dingle.

Über Irland zur Isle of Whight - Sommer 2000 - Paulchens Bruder in DingleIn Dingle angekommen suchen wir unsere Yacht Paulchens Bruder eine Bavaria 38 Holiday mit grüner Sprayhood. Wenig später endecken wir die Yacht und treffen dort Rudolf uns seine Frau. Sie waren 5 Wochen mit der Yacht unterwegs. Von Lelystad sind sie über das IJsselmeer die englische Ostküste hoch und über den Caledonian Kanal durch Schottland nach Irland gesegelt. Die ersten drei Wochen mit Crew und anschließend Urlaub zu zweit.

Bei der Übergabe fallen einige Schäden auf. Der Zweitanker fehlt, die Genua zeigt starke Verschleißspuren, bei dem Beiboot fehlen Bodenbretter …..

Der Motor läuft rund jedoch kommt nach meiner Einschätzung wenig Kühlwasser aus dem Auspuff. Laut Rudolf alles normal. Wir werden sehen.

Wir tätigen einen Großeinkauf im nahe gelegenen Supermarkt und schleppen unsere Beute an Bord.

Abend im Pub erholen wir uns bei einem Bier und irischer Livemusik von der Anreise.

Samstag, 01.07.2000

0007-ImpellerZeitig legen wir ab und steuern Paulchens Bruder unter Maschine aus dem Hafen. Schon nach kurzer Fahrt ertönt der nervende akustische Motoralarm. Der Motor wird zu heiß. Ruckzuck wird die Genua gesetzt und der Motor gestoppt. Volker baut den Impeller aus der Kühlwasserpumpe aus. Wie befürchtet ist dieser stark verschließen und zwei Flügel gebrochen. Der Ersatzimpeller passt leider nicht für unseren Motor.

Während wir bei moderatem Wind in der Dingle Bay südwärts segeln überlegen wir welche Optionen wir haben. Bis zum englischen Festland sind es 300 Seemeilen.

Nach telefonischer Rücksprache mit dem Eigner segeln wir nach Dingle zurück. Mit dem Beiboot bringen wir Paulchens Bruder an den Steg.

Der Hafenmeister hat eine ganze Palette an Impellern. Der für unseren Motor ist auch dabei. Wir erwerben gleich zwei Stück. Man weiß ja nie.

Eine halbe Stunde später geht es zum zweiten Mal los. Mittlerweile ist es Nachmittag.

Der Motor läuft prima. Jetzt kommt auch wieder eine ansehnliche Menge Kühlwasser aus dem Auspuff.

Delfin Fungie begleitet uns in der Dingle Bay

Delfin Fungie begleitet uns

Diesmal begleitet uns Fungie der Delfin hinaus auf die See. Fungie lebt seit 1983 in der Bucht und ist seitdem zu einem der berühmtesten Einwohnern Irlands geworden. Fungie ist wahrhaft eine Attraktion von Dingle. Es gibt so gut wie keine Bootstour bei der Fungie nicht erscheint. Offensichtlich mag er die Gesellschaft von Booten und Menschen.

 

 

0018-RegenbogenWir sind begeistert von Landschaft Irlands, den tiefhängenden Wolken, den grün bewachsenen Felsen und sehen zu unser großen Freude einen wunderbaren Regenbogen.

Bei südöstlichen Wind um 3 segeln wir die Küste Irlands entlang. Eine rabenschwarze Nacht bricht an. Der Himmel wolkenverhangen sehen wir lediglich im Masttop den Schein der drei Farben Laterne.

Wir wollen zum Westausgang des Ärmelkanals. Ziel sind die Isles of Scilly.

Der Wind aus östlichen Richtungen passt dafür eigentlich so gar nicht.

Sonntag, 02.07.2000

Wir kommen ungeachtet unserer Kreuzschläge recht gut voran. Auf der offenen See sehen wir nur selten in der Ferne ein Schiff. Lediglich eine Taube hat sich unsere Segelyacht als Transportmittel ausgedacht. Unter dem Steuermannsitz ist jetzt ihr neues zuhause.

Wir versorgen sie mit Wasser und etwas Brot.

Montag, 03.07.2000

0020-IslesofScillyAm frühen Morgen reißt die Wolkendecke auf. Vereinzelt ist wieder blauer Himmel zu sehen. In der Ferne tauchen die berühmten und berüchtigten Scillys auf. Bei rauher See gilt diese Inselgruppe im Südwesten Englands für Seefahrer aufgrund ihrer zahlreichen Riffs und starken Gezeitenströme als äußerst gefährlich und schwierig anzusteuern.

Wir haben mittlerweile Flaute und laufen unter Maschine auf das Archipel zu. Dank ausgezeichneter Detailkarten, bester Sicht  und ständigem Mitkoppeln gestaltet sich die Ansteuerung einfacher als angenommen.

Unser Gast die Taube hat sich offenbar erholt und fliegt zur nächsten gelegenen Insel.

Der Gezeitenstrom setzt quer zu unserer Fahrtrichtung und so halten wir gut 30 ° vor um unser Ziel Hugh Town auf Saint Mary’s sicher anzusteuern. Wir machen an einer freien Mooring Tonne fest und erholen uns von der ersten Etappe unserer Reise.

0028-HughTownWir machen unser Beiboot für den Landausflug klar. Kristallklares Wasser erlaub uns bis auf den Meeresgrund zu schauen. Dabei fällt uns auf, dass unser Ruderblatt im unteren Bereich Schäden aufweist. Offensichtlich hatte da jemand eine heftige Grundberührung.

Nach dem Einklarieren beim Hafenmeister genießen wir den Tag bei wunderbarem Wetter auf der Insel Saint Mary’s.

Das Archipel der Scilly besteht aus mehr als 140 Inseln, davon sind lediglich 6 bewohnt. Zahlreiche Riffs zwischen den Inseln sowie die Gezeitenströme erschweren die Navigation.

0032-Landrover     0034-TropischePflanze     0036-Dinghi-Landing

Wegen des Golfstroms haben die Inseln ein mildes KIima. Kein Wunder, dass wir hier sogar Palmen und andere tropische Gewächse vorfinden.

0038-HughTownBay

Dienstag, 04.07.2000

0030-SaintMarysHafentag! Das haben wir uns nach der Überfahrt verdient. Es gibt hier so viel zu erkunden. Bei tollem Sonnenschein und hochsommerlichen Lufttemperaturen wollen wir uns abkühlen und wagen mit dem Beiboot einen Badeausflug. Die Wassertemperaturen lassen ein langes verweilen im Wasser jedoch nicht zu.

 

Der wunderbare Tag auf Saint Mary’s wird uns allen sicherlich immer in Erinnerung bleiben.

0024-HughTown

Mittwoch, 05.07.2000

0046-Lighthouse-WolfRockUm 06.00 Uhr legen wir ab. Bei schwachem Wind aus westlichen Richtungen verlassen wir dieses wunderschöne Archipel. Es geht zur englischen Südküste. Ziel ist die Hafenstadt Falmouth.

Gegen 10.00 Uhr haben wir an unserer Steuerbordseite das Leuchtfeuer Wolfs Rock. In der Ferne sehen wir schon Land’s End den westlichsten Punkt Englands.

Am späten Nachmittag laufen wir in Falmouth ein und stärken uns bei Fish & Chips.

0050-Fish-Chips-Smack-Alleys

Donnerstag, 06.07.2000

0068-Eddystone-LighthouseAuch heute geht es wieder früh los. Wir wollen bis Dartmouth und haben gut 70 Meilen Strecke zu machen.

Der schwache Wind reicht nicht zum Segeln. Gut, dass wir gestern 75 Liter Diesel gebunkert haben.

Mittags haben wir die Eddystone Rocks an unserer Backbord Seite. Auch diese gefährlichen bei Hochwasser überspülten Felsen sind durch ein Leuchtfeuer gekennzeichnet.

Nachmittags nimmt die Sicht zunehmend ab und wir schalten Positionslichter und Schallsignalanlage an. Nebel soll ja im Ärmelkanal häufiger vorkommen.

0060-Dartmouth-CastleWir runden die Huk Startpoint mit dem dazugehörigen Leuchtfeuer und ändern unseren Kurs auf 20 ° Richtung River Dart.

Um 19.20 Uhr passieren wir die Tonne Homestone um wenig später in den River Dart einzulaufen. Die Flussmündung wird bestens von Dartmouth Castle bewacht.

Eine Stunde später machen wir in der Dart Marina fest.

Freitag, 07.07.2000

Die Gezeiten fordern ihren Tribut. Wir wollen heute nach Weymouth und müssen dafür Portland runden. Um die Südspitze von Portland setzen heftige Gezeitenströme. Deshalb legen wir bereits um kurz nach 04.00 Uhr ab. Bei einem Nordost um 4 kommen wir flott unter Segeln voran.

0070-Portland-East-Ship-ChannelUm 10.00 Uhr frischt der Wind weiter auf und das erste Mal auf diesem Törn binden wir ein Reff ein.

Um 15.03 Uhr liegt das Flach The Shambles an unserer Backbordseite. Wir haben die Südspitze der HalbinselPortland passiert und steuern zügig auf Weymouth zu.

Samstag, 08.07.2000

0086-NeedlesHeute geht es endlich von uns allen sehnsüchtig erwartet zur Isle of Wight. Es ist beeindruckend wie wir uns aus Westen der Isle of Wight nähern. Wir passieren die Needles, den westlichsten Teil der Isle of Wight. Um 15.15 Uhr machen wir bereits in Cowes fest.

Beim Landgang erkunden wir Cowes und sind rundherum mit uns und der Welt zufrieden.

0090-IsleofWight

Sonntag, 09.07.2000

Heute können wir uns Zeit lassen und ausschlafen. Erst am frühen Nachmittag haben wir mitlaufendes Wasser. Um 14.00 Uhr verlassen wir Cowes. Am Ostausgang des Solent hat der Westwind auf bis zu 30 Knoten zugelegt.

Gegen 18.00 Uhr haben wir die Südkardinal Tonne Owers des dazugehörigen Flachs Outer Owers Backbord querab. Wir kommen wieder in tieferes Wasser und der Seegang nimmt wieder ab.

Wir segeln in die Nacht hinein – unser Ziel lautet Ramsgate als Absprunghafen zu den Niederlande.

Montag, 10.07.2000

0096-RamsgateUm 06.00 Uhr passieren wir die Landspitze Dungenees und sind somit noch knapp 20 Meilen von Dover entfernt. Immer noch haben wir wunderbaren Segelwind aus West.

Um Mittag machen wir bereits in Ramsgate in der West Marina fest und haben genug Zeit uns bei einem Landgang die Stadt anzuschauen.

Heute erfahren wir vom Eigner, dass Rudolf und seine Frau mit Paulchens Bruder bei Starkwind gestrandet sind und von der Seenotrettung freigeschleppt wurden. Bei dem Unglück ist das Ruderblatt beschädigt worden und der Zweitanker verloren gegangen. Gut, dass wir vor der Überquerung der Irischen See das alles nicht wussten. Ein Taucher hatte wohl das Schiff nach der Strandung auf Seetüchtigkeit untersucht und keine gravierenden Schäden festgestellt.
Gleichwohl muss Paulchens Bruder nach unserer Heimkehr erst einmal aus dem Wasser.

Dienstag, 11.07.2000

0100-SeegangBBC verkündet für Humber und Themse Nordwest 6 bis 8, später abnehmend 4 bis 5. Um 08.30 Uhr werfen wir die Leinen los und segeln Richtung Niederlande. Bei 5 bis 6 Windstärken kommen wir unter Segeln bestens voran. Gegen Nachmittag nimmt der Wind auf zeitweise 7 Windstärken zu. Bei dem Seegang fühlt sich jetzt nicht mehr jeder an Bord so richtig wohl.

Mittwoch, 12.07.2000

0104-IJmuidenUm 09.00 Uhr morgens steuern wir IJmuiden an. Vor den Wellenbrechern hat sich eine richtig eklige Welle aufgebaut. Der Wind hat mittlerweile wieder auf 5 Windstärken abgenommen. Eine auslaufende Segelyacht müht sich unter Maschine mächtig ab durch die Welle zu kommen.

Wir laufen in die Seaport Marina IJmuiden ein und erholen uns erst einmal von den letzten Nachtwachen.

Richtig glücklich es von Irland über England bis in die Niederlande geschafft zu haben wird heute gefeiert.

Donnerstag, 13.07.2000

Heute geht es durch den Nordzeekanal, vorbei an Amsterdam durch die Oranjeschleusen und über das Markermeer nach Enkhuizen.

Freitag, 14.07.2000

Unser letzter Tag des Törns ist angebrochen. Heute geht es nur noch von Enkhuizen nach Lelystad Haven dem Heimathafen von Paulchens Bruder. Dort empfängt uns der Eigner. Er ist richtig glücklich sein Schiff nach 7 Wochen wohlbehalten wiederzusehen.

Wir blicken zurück auf einen unvergesslichen und erfolgreichen Segeltörn mit insgesamt 920 Seemeilen.

0120-Crew

Wolf, Jürgen, Volker, Jochen

Revierinformationen

Das Revier ist gekennzeichnet durch starke Gezeitenströme, entsprechendem Tidenhub und intensivem Schiffsverkehr.

Zwischen Irland und England ist mindestens ein Nachtschlag einzuplanen.

Bei entsprechender Vorbereitung und Zeit lassen sich die Distanzen zwischen zwei Häfen so gestalten, dass die Reise in Tagesetappen zu segeln ist.

Der Tidenhub variiert zwischen einigen wenigen Metern bis zu 12 Metern bei Saint Malo. Die stärksten Gezeitenströme treten bei Cap de la Hague mit bis zu 10 Knoten auf.

Insbesondere bei Wind gegen Strom kann es in einigen Bereichen des Reviers zu sehr gefährlichem Seegang kommen. Detaillierte Hinweise liefern die Seekarten und die Revierführer.

EtappeDistanzWetter
Dingle - Hugh Town (St. Mary's285ESE 2 - 4, bedeckt
Hugh Town - Falmouth65Var 3, bewölkt
Falmouth - Dartmouth70Var
Darthmouth - Weymouth65N 4 - 5
Weymouth - Cowes (Ilse of Whight55WSW 4 - 6
Cowes - Ramsgate140W 6 - 7, W 3 - 4
Ramsgate - IJmuiden150NNW bis 7
IJmuiden - Enkhuizen42SW 4 - 5
Enkhuizen - Urk13W 3 - 4
Urk - Lelystad13W 4
Gesamt920

Seekarten

SeekarteTitle und Region
IC 56Southwest Coast of Ireland, Cork Harbour to Dingle
BA 833 SCIsles of Scilly
IC 7Lizard Point to Trevose Head & Isles of Scilly
IY 58Falmouth
IC 6Start Point to Lizard Point
IC 14Plymouth
IC 56Portland Bill to Start Point
IC 4Needles to Portland Bill
IC 15Solent
IC 3Isle of Wight
IC 9 Beachy Head to the Isle of Wight
IC 8North Foreland to Beachy Head
IC 30Harwich to Hoek van Holland and Dover Strait
NL 1801Oostende - Den Helder
NL 1810IJsselmeer
Übersegler
IC 16Western Approach to the British Isles
IC 10Western English Channel Passage
IC 12Eastern English Channel Passage

Literatur, Hafenhandbücher, Stromatlanten

TitelBeschreibung
Der Kanal, Tom CunlifeRevierführer, detaillierte Beschreibungen auf deutsch
Reeds Nautical Almanac 2000Hafenhandbuch, Revierführer, Stromatlas, Gezeitentafel, erscheint jährlich neu

Wacheinteilung

Tagsüber 3 Stunden Wache, nachts 4 Stunden Wache. 7 Wachzyklen, somit wechselt für jede Wache die Wachezeit im Laufe der Wachen.

Wacheinteilung
Jürgen + Wolf09.00 - 12.00
Jochen + Volker12.00 - 15.00
Jürgen + Wolf15.00 - 18.00
Jochen + Volker18.00 - 22.00
Jürgen + Wolf22.00 - 02.00
Jochen + Volker02.00 - 06.00
Jürgen + Wolf06.00 - 09.00
Jochen + Volker09.00 - 12.00
Jürgen + Wolf12.00 - 15.00
Jochen + Volker15.00 - 18.00
Jürgen + Wolf18.00 - 22.00
Jochen + Volker22.00 - 02.00
Jürgen + Wolf02.00 - 06.00
Jochen + Volker06.00 - 09.00